Neue Wege in der Corona-Krise: Der Katastrophenschutz der Stadt Baden-Baden nutzt die Digitalisierungsplattform von SoftProject

Hygiene- und Abstandsregeln, möglichst wenige Personen in einem Raum – die amtlichen Verordnungen rund um das Coronavirus gelten auch für die Stabsabteilungen des Katastrophenschutzes der Stadt Baden-Baden, die über Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung in der Region entscheiden. Eine perfekte und stetige Abstimmung zwischen den Krisen-Experten kann über Menschenleben entscheiden. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Beratungstreffen im Krisenraum sind aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht möglich. Abhilfe schafft seit März 2020 ein gemeinsames Web-Portal, über das die Entscheider Neuigkeiten, Dokumente und Statistiken zur Corona-Lage austauschen und darauf aufbauend Pläne schmieden.

Hochwasser, Waldbrände und Stürme – der rund 20-köpfige Führungsstab kennt sich mit heiklen Situationen aus. Doch die Corona-Lage ist auch für die Experten neu, die sich teils hauptberuflich, teils ehrenamtlich engagieren und aus Behörden, Ämtern, Dienststellen und verschiedenen Hilfsorganisationen kommen, die in einem Katastrophenfall benötigt werden. Dazu zählen unter anderen die Feuerwehr, die Polizei, das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Bergwacht.

Das X4-Dashboard zeigt die Entwicklung der Corona-Patientenzahlen in Baden-Baden und Rastatt
Gerhard Lier vereint Ehrenamt und Hauptberuf

Corona-Krise – Experten auf der Lösungssuche für bisher unbekannte Herausforderungen

„Situationen wie das Februar-Hochwasser haben wir in wenigen Tagen im Griff. Bei der Corona-Pandemie ist das anders: Sie ist langfristig, zieht sich über Monate, vielleicht sogar Jahre hin“, sagt Gerhard Lier. Er ist Ausbilder und Einsatzleiter bei der Bergwacht und unterstützt beim Bevölkerungsschutz der Stadt Baden-Baden die Stabsbereich 2 „Lagewesen“. Er beobachtet akribisch den Verlauf der Patientenzahlen und Neuinfizierten, sammelt Informationen und bereitet diese für seine Kollegen aus dem Führungsstab auf.

Alternative zum Krisenraum – Gemeinsames Web-Portal war innerhalb von zwei Tagen einsatzbereit

„Aktuelle Entwicklungen am Flip-Chart präsentieren geht momentan nicht“ sagt Lier, der seit 20 Jahren beim Digitalisierungsspezialisten SoftProject in Ettlingen arbeitet und als Innovationsmanager maßgeblich die Digitalisierungsplattform „X4 Suite“ weiterentwickelt. „Mit dieser können auch Nicht-IT-Experten ohne Programmieren Web-Anwendungen und -Portale erstellen.“ Die Idee, darauf aufbauend dem Führungsstab des Stadtkreises Baden-Baden ein kostenfreies Web-Portal bereitzustellen, begeisterte den Geschäftsführer Dirk Detmer sofort und bereits nach zwei Tagen konnten sich die Stabsmitglieder einloggen und aktuelle Statistiken und Übersichten einsehen.

Betrieben wird das Web-Portal im ISO-zertifizierten und datensicheren Rechenzentrum der SoftProject GmbH, sodass alle Daten zentral und digital vorliegen. Das gewährleistet, dass Entwicklungen über Monate nachverfolgt, abgeglichen und analysiert werden können.

Informations-Pool – Aktuelle Zahlen und Dokumente halten den Krisenstab immer up to date

Die für Statistiken benötigten Lagedaten zieht sich das Web-Portal tagesaktuell und zum größten Teil automatisiert aus unterschiedlichen Quellen, zum Beispiel von der Website des Ministeriums für Soziales und Integration. Da Zahlen allein nicht immer für eine qualifizierte Lagebewertung ausreichen, können die Stabsmitglieder zusätzlich weiterführende Dokumente hochladen und Links teilen. „So sind wir abteilungsübergreifend immer auf demselben Stand. Selbst relevante E-Mails legen wir für alle zugänglich ab und stellen damit sicher, dass keine Informationen in Spam-Ordnern verloren gehen“, so Lier.

Darstellung relevanter Informationsquellen, wie Übersichtskarten und Statistiken, auf dem X4-Dashboard

Zentrale Entscheidungsgrundlage – 6 Stabsabteilungen, ein Informationsportal

Krisenmanagement ist komplex. Zahlreiche Akteure verantworten unterschiedliche Spezialgebiete. „Ein gemeinsamer Informations-Pool ist umso wichtiger, damit wir als einzelne Stabsabteilungen, kurz „S“, unsere jeweiligen Informationen teilen und abstimmen können.“ S1 ist dabei für das Personal verantwortlich, S2 für die Darstellung der Krisenlage, S3 obliegt die Einsatzplanung, S4 kümmert sich um die Materialbeschaffung wie Schutzausrüstungen und die Verpflegung, S5 versorgt die Presse und Öffentlichkeit mit Informationen und S6 stellt die technische Kommunikation, beispielsweise über Funk, sicher.

Vereintes Know-how – Berücksichtigung aller Bereiche ist grundlegend für ganzheitliche Entscheidungen

„Jede Abteilung ist für ein funktionierendes Krisenmanagement enorm wichtig. Die Einschätzung der Gesamtlage und die Koordination der weiteren Maßnahmen muss daher auf Grundlage einer gemeinsamen, abgestimmten Informationsbasis aller beteiligten Spezialgebiete erfolgen“, so Lier. Beispielsweise die Notwendigkeit ein Bürger-Telefon als direkten Draht zur Bevölkerung einzurichten, Pläne für den Aufbau und Betrieb provisorischer Krankenhäuer zur medizinischen Versorgung, die Bereitstellung von Notunterkünften oder Ablaufpläne, wie im Ernstfall ein Pflegeheim zu evakuieren ist.

Erfassung der Patientenzahlen über das Web-Formular

Akzeptanz durch einfache Bedienung – Diagramme und Karten zeigen aktuelle Corona-Entwicklungen der einzelnen Regionen

Persönlicher Austausch findet zusätzlich in regelmäßigen Video-Konferenzen und Telefonaten statt. Die zentrale Informationsplattform ist jedoch das Web-Portal. Manche Kollegen seien „digitaler unterwegs“ als andere, sagt Lier. Daher habe er die Oberfläche intuitiv, mit grafischen Elementen und farblich abgesetzten Übersichtskarten gestaltet. Auf einen Blick können die Kollegen die aktuelle Lage von Neuinfektionen, in einzelnen Landkreisen oder in Städten wie Baden-Baden, Karlsruhe oder Offenburg, aber auch in angrenzenden Gebieten wie dem Elsass abrufen und bewerten: Bei Grün ist die Situation unkritisch, bei Rot besteht Handlungsbedarf.

Die Feuertaufe ist bestanden. Interaktionen und Statusmeldungen zeigen: Führungskräfte des Krisenstabs nutzen das Web-Portal von SoftProject rege und es soll zukünftig auch für andere Ausnahmesituationen genutzt werden.

Anführungszeichen

In Lagen wie der aktuellen, durch Corona ausgelösten sind für einen Krisenstab folgende Kriterien entscheidend: Er muss ohne Einschränkungen, remote und von jedem Ort aus handlungsfähig sein und Entwicklungen stetig und langfristig beobachten können. Genau dabei unterstützt uns das Web-Portal, sodass wir alle erforderlichen Einsätze rasch und effizient durchführen und im Nachgang die Erfolge der Maßnahmen überwachen können. Wir werden die Plattform auch über die Krise hinaus und für kommende Ausnahmesituationen nutzen.

Andreas Wilhelm

Leiter der Stabsabteilung S2 und Einsatzleiter bei der Feuerwehr Baden-Baden