Dirk Weingärtner, Director Insurance Solutions bei der SoftProject GmbH, über Chancen und Risiken der Digitalisierung, Low-Code-Plattformen, die den Weg zur Künstlicher Intelligenz ebnen und warum eine umfassende Digitalisierung nicht nur für die Bundesregierung erstrebenswert ist.

Gescheiterte Digitalisierungsprojekte, in den Sand gesetztes Geld und frustrierte Mitarbeiter – für einige Unternehmen scheint die digitale Transformation mehr Fluch als ein Segen zu sein. Wie stehen Sie als Vertreter der Branche dazu?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Stetig neue digitale Innovationen erhöhen den Wettbewerbsdruck. Versicherungsunternehmen müssen mithalten, agiler werden, ihre Prozesse beschleunigen und automatisieren. Im Wettlauf um Zeit- und Kosteneinsparungen vernachlässigen sie oftmals wesentliche Faktoren, wie einwandfrei funktionierende Schnittstellen zwischen den bestehenden IT-Systemen und den anzubindenden Digitalisierungskomponenten. Ein fataler Fehler, der zu Medienbrüchen führt und das gesamte Projekt zum Scheitern bringt, denn ein reibungsloser Datenfluss ist die Grundvoraussetzung für automatisierte Geschäftsprozesse. Ebenso wichtig für ein erfolgreiches Digitalisierungsprojekt ist neben dem Know-how über die anzubindenden Systeme auch das Wissen über die operativen Anforderungen an die Software, also nicht nur technische Aspekte, sondern auch die Fachlichkeit.

Entscheider in Unternehmen sind sich häufig unsicher in welchen Unternehmensbereichen Automatisierung möglich ist und womit sie bei der Digitalisierung anfangen sollen. Haben Sie einen Tipp?

Am Anfang steht immer eine Bestandsaufnahme, nach der wir eine Einschätzung geben und konkrete Maßnahmen vorschlagen, wie und an welcher Stelle ein Unternehmen seine Geschäftsabläufe beschleunigen, die Arbeitsqualität verbessern und Kosten einsparen kann. In einigen Fällen kann das die Implementierung einer vollautomatisierten Schadenmeldung und -abwicklung sein in anderen die automatisierte Abwicklung von Kostenvoranschlägen, Tarifierungen, Kalkulationen und Gutachten oder die Bereitstellung von Web-Services und Bestellformularen. Jedes Vorhaben ist individuell. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ist eine große, flexible Bandbreite an Digitalisierungslösungen, Adaptern und intelligenten Features, die beispielsweise automatisiert Entscheidungen treffen oder Menschen in digitale Prozesse einbeziehen. Beliebt sind bei unseren Kunden aus der Versicherungswirtschaft neben Eigenentwicklungen auch vorgefertigte Digitalisierungsbausteine für branchentypische Abläufe, die sie einfach in bestehende Prozesse integrieren können. Dabei werden 80 Prozent der zu automatisierenden Funktionen umgehend aus der Cloud bereitgestellt, nur 20 Prozent müssen an individuelle Anforderungen angepasst werden. Das spart Entwicklungsaufwand, reduziert Aufwände und senkt Kosten.

Können Sie uns konkrete Beispiele für fertige Digitalisierungsbausteine in der Versicherungsbranche nennen?

Ja, etwa die Bereitstellung von BiPRO- und GDV konformen Cloud-Services über das Insurance Gateway, um Versicherungen und Vertriebspartner auf einer Plattform miteinander zu verbinden. Oder im Schadenmanagement können bereits heute über das sogenannte Insurance Gateway, Versicherungen, mit über 70 Schadendienstleister Informationen austauschen. Ein weiteres Beispiel ist das Claim Portal, das Dienstleisteraufträge automatisierte bearbeitet. Neben beschleunigten Abläufen haben Mitarbeiter mit diesen Lösungen jederzeit Zugriff auf alle benötigten Informationen, wie Gutachten, Prüfprotokolle, Bilder, Auftragsdaten, Kostenvoranschläge oder Rechnungen.

Mit einem Klick können sie spezifische Auswertungen aufrufen und so den Überblick behalten. Ein Trend, ist ebenso der „Customer Self-Service“ mit dem sich Versicherungsnehmer und Geschädigte per App, Web-Portal oder Chat rund um die Uhr in den Schadenprozess integrieren lassen. Unternehmen verbessern dadurch ihren Kunden-Service und können den kompletten Service-Lebenszyklus überwachen, testen und verwalten – alles auf einer benutzerfreundlichen Low-Code und No-Code-Plattform.

Was muss man sich unter einer Low-Code-Plattform vorstellen?

Low Code und No Code bedeutet, dass wir bei Versicherungsunternehmen die Komplexität von Arbeitsabläufen so weit reduzieren, dass beispielsweise ein versierter Sachbearbeiter aus einer Fachabteilung ohne Programmieren digitale Geschäftsprozesse modellieren kann. Mit dieser Methode lassen sich auch einfach Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Themen wie Big Data in Prozesse integrieren, Daten erfassen, auswerten und auf einer grafischen Oberfläche beispielsweise in Form von Diagrammen darstellen. Während der Mitarbeiter auf einer benutzerfreundlichen, grafischen Oberfläche arbeitet, laufen im Hintergrund unbemerkt automatisierte, leistungsstarke Prozesse. Auch intelligente Web-Anwendungen und -Formulare können sie so ganz ohne Programmieren erstellen. Unternehmen sparen somit die Kosten für externe Fachkräfte und behalten so das Knowhow im Haus. Auf unserer Low-Code-Digitalisierungsplattform, der X4 Suite, vereinen wir alle diese Komponenten und Features, die ein Unternehmen für eine umfassende Digitalisierung braucht.

Immer wieder fordern nicht nur Techniker, sondern auch Vertreter aus der Wirtschaft und Politik eine „umfassende Digitalisierung“ – sind das nur Schlagworte oder was verbirgt sich dahinter?

Was die Bundesregierung in Bund und Ländern fordert ist auch für Unternehmen erstrebenswert. Ein typischer Gegensatz zu einer umfassenden Digitalisierung sind über Jahre wild gewucherte IT-Landschaften mit isolierten Informationssilos. Diese bremsen die Leistungsfähigkeit der Prozesse, sind fehleranfällig und ein klarer Minuspunkt gegenüber den Mitbewerbern, der über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann. Aus 20 Jahren am Markt und Erfahrung in der Versicherungswirtschaft kennen wir die Herausforderungen und Knackpunkte bestens. Entsprechend den sich ändernden Anforderungen haben wir nicht nur unsere Digitalisierungsplattform angepasst und stetig weiterentwickelt, sondern alle Bereiche auf- und ausgebaut, die ein Unternehmen für eine umfassende, erfolgreiche Digitalisierung braucht. Dazu zählen eine möglichst große Anzahl an Adaptern für unterschiedliche Schnittstellen, ein eigenes ISO-zertifiziertes Rechenzentrum, Cloud und Hybrid-Cloud-Lösungen, eine eigene Academy als Kompetenzzentrum für die Weiterbildung unserer Mitarbeiter und Kunden. In einer Broschüre haben wir kurz und knapp die „10 Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Digitalisierung“ zusammengestellt, die jeder Interessent kostenfrei bei uns anfordern kann.

Dirk Weingärtner, Director Insurance Solutions