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Low-Code-Digitalisierungsplattformen

Was sie können müssen und wie sie Versicherungsunternehmen erfolgreich machen

Teil 1

Ansprechpartner Dirk Weingärtner

Dirk Weingärtner, Director Insurance Solutions

Als studierter Wirtschaftsingenieur befasst er sich seit über 20 Jahren intensiv mit der Automatisierung von Geschäftsprozessen. Seit 2009 unterstützt er mit seinem Team namhafte Kunden aus der Versicherungs­wirtschaft bei der Digitalisierung. Heute ist er bei der SoftProject GmbH als Director im Bereich Insurance Solutions tätig.

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Endkunden und Vertriebspartner erwarten rund um die Uhr Erreichbarkeit über elektronische Kommunikationswege; Versicherungen und ihre Partner müssen immer schneller auf Marktanforderungen reagieren und kurze Produkt- und Time-to-Market-Zyklen einhalten. Gleichzeitig sollen sie individuelle Kundenwünsche erfüllen und ihnen exklusive Lösungen bereitstellen – das alles mit größtmöglicher Sicherheit und wenig Aufwand. Eine Mammutaufgabe, die sich mit einer zentralen Low-Code-Digitalisierungsplattform lösen lässt, die Menschen, Systeme, Geräte sowie Daten und Dokumente miteinander verbindet, Daten steuert und Geschäftsprozesse automatisiert. Doch was genau ist eine Low-Code-Digitalisierungsplattform, was muss sie leisten und wie integrieren Versicherungsunternehmen sie in ihre IT-Landschaft?

Vorneweg: Eine allgemeine Definition für den Begriff „Digitalisierungsplattform“ gibt es derzeit nicht. Daher nähern wir uns über den Nutzen, den ein Unternehmen durch den Einsatz einer Digitalisierungsplattform hat, etwa beschleunigte Arbeitsabläufe, verkürzte Reaktions- und Durchlaufzeiten sowie weniger Fehler und reduzierte Kosten. Das Ziel ist dabei immer, die Service- und Produktqualität und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Dabei unterstützen Anwendungen wie ein Chatbot, über den Kunden Versicherungen online abschließen können – jederzeit, von jedem Ort und automatisiert über ein intelligentes Dialogsystem, mit dem sie über Text- oder Spracheingabe kommunizieren können. Oder Anwendungen, die es dem Versicherer ermöglichen, fallabhängig mit Kunden zu kommunizieren. Per SMS oder E-Mail bekommt der Kunde eine Nachricht auf sein Smartphone geschickt. Der Kunde gelangt über einen in der SMS bzw. E-Mail mitgesandten Link auf die Webanwendung – ganz unkompliziert und ohne das Herunterladen einer App. Im Schadenfall können z. B. Mitteilungen, Bilder und Rechnungen elektronisch übermittelt werden. Beim Versicherer erfolgt die Bearbeitung der Deckungsprüfung ebenfalls vollständig automatisiert, während nach der Bewertung des Falls die Schadenhöhe in Sekundenschnelle durch künstliche Intelligenz ermittelt wird. Regelbasiert wird die nächstgelegene Partnerwerkstatt genannt und das Fahrzeug online begutachtet. Der Kunde erhält wiederum einen Link auf sein Smartphone, über den er eigenständig einen Termin vereinbaren kann. Ein Zukunftsszenario? Nein, das muss jede fortschrittliche Digitalisierungsplattform können.

Der erste Schritt: Bestandsaufnahme und Analyse der aktuellen Situation

Bevor Digitalisierungsprojekte gestartet werden, muss ein Unternehmen Prozesse mit Verbesserungspotenzial identifizieren. Dazu haben sich Workshops mit Digitalisierungsexperten sowie ein „Proof of Concept“ bewährt.

Nach der Bestandsaufnahme folgt eine Einschätzung mit konkreten Maßnahmenvorschlägen, wie und an welchen Stellen Prozesse beschleunigt, die Arbeitsqualität verbessert und Kosten gesenkt werden können. Im Anschluss wird ein Prozess umgesetzt, um die Abhängigkeit der verschiedenen Anwendungen und die Funktionalität von Schnittstellen zu demonstrieren. Hierdurch erhält das Projektteam eine konkrete Basis für seine weitere Arbeit.

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Konnektivität: Daten müssen ungehemmt fließen!

Digitalisierungsvorhaben sind durchaus komplex und bei falscher Herangehensweise auch kostenintensiv. Eine Umsetzung ohne Experten ist daher kaum möglich. Dreh- und Angelpunkt sind funktionierende Schnittstellen zwischen den bestehenden IT-Systemen und den anzubindenden Digitalisierungskomponenten. Ohne einen ungehinderten Im- und Export von Daten ist Prozessautomatisierung nicht möglich. Spezielle Adapter, die Formate umwandeln und Systeme kompatibel machen, sorgen dabei für einen reibungslosen Datenfluss.

Bei der Auswahl der Digitalisierungsplattform ist es also entscheidend, dass diese über branchenspezifische Adapter- und Konnektoren verfügt. Ansonsten kann es schnell zu digitalen Patchwork-Landschaften mit isolierten Informationssilos und prozesshemmenden Medienbrüchen kommen.

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Zentrale Helfer: Low Code und No Code sichern Wettbewerbsvorteile

Low Code beziehungsweise No Code bedeutet, dass die Komplexität der Digitalisierungsplattform soweit reduziert ist, dass sowohl Fachanwender als auch Prozessverantwortliche voll funktionsfähige, automatisierte Prozesse oder Systemanbindungen auf einer grafischen Oberfläche modellieren, direkt ausführen und anhand von Dashboards prüfen und analysieren können, ganz ohne Programmieren. In Zeiten des demografischen Wandels, in denen gut ausgebildete IT-Mitarbeiter fehlen, die komplexe Prozesse und Services umsetzen könnten, sind Werkzeuge, mit denen Prozesse und Regeln auch von Nichtentwicklern grafisch umgesetzt werden können, gefragt wie nie zuvor. Durch sie können Unternehmen knappe Entwicklungsressourcen kompensieren und skalieren.

Mit einer Low-Code- bzw. No-Code-Digitalisierungsplattform lassen sich so die steigenden Anforderungen an Agilität, Flexibilität, rasche Kurswechsel durch Marktveränderungen und selbst Themen wie Big Data oder künstliche Intelligenz sicher meistern. Entscheidend ist, dass die grafische Oberfläche der Digitalisierungsplattform nicht aus reinen Zeichenwerkzeugen für die Prozessmodellierung besteht, sondern über Digitalisierungsbausteine mit direkt ausführbaren Funktionen und leistungsstarken Process Engines verfügt.